Wonderful world II – Tierwelt Südostasiens

Ebenso faszinierend wie die Unterwasserwelt Südostasiens (siehe Wonderful world I) präsentieren sich Flora und Fauna in der von uns oft bereisten Region – Myanmar, Thailand, Kambodscha, Malaysia, Borneo, Hongkong, Singapur und die faszinierende Inselwelt Indonesiens. Das, was wir in Lexika vor Jahren und laufend in Internetbeiträgen zur Tierwelt in Asien nachgelesen haben, fanden und finden wir auch immer wieder bestätigt:

Nämlich, dass in Asien zwei völlig unterschiedliche Tierregionen aufeinandertreffen: der nördliche Teil ist, wie wir aus vielen Dokumentationen und Berichten wissen, von Tierwanderungen aus Europa und Amerika gekennzeichnet. Entstanden in der Zeit, als Land-Wanderungen durch die bestehenden Landbrücken, mit denen die Kontinente verbunden waren, noch möglich waren. Die südlichen und südöstlichen Gebiete Asiens, die wir regelmäßig bereisen, gehören zur sogenannten „Orientalis“, mit einer Fauna, die durch wiederholte Wanderungswellen afrikanischer Arten gekennzeichnet ist. Die Trennlinie ist nach dem englischen Naturforscher Sir Alfred Russel Wallace benannt.

Die artenreichste Tierwelt der tropischen Regionen Süd- und Südostasiens ist, wie nicht anders zu erwarten, im tropischen Regenwald zu Hause. Dieser bietet durch die verschiedenen Baumschichten Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Hier leben Affenarten, wie der Orang-Utan und verschiedenste Raubtiere, wie schwarze Panther und gefleckte Leoparden, Löwen und Tiger. Der indische ist allerdings akut vom Aussterben bedroht, weil die Fauna der Regenwälder durch den Menschen stark dezimiert wurde und wird. 

Indonesien zählt immer noch zu den größten Regenwaldgebieten der Welt. Die Inseln rund um den Äquator haben das ganze Jahr über tropisch feuchtes Klima, stark beeinflusst von den Monsunen, die niederschlagsarme Zeiten und während des Südwestmonsuns hohe Niedersclagsmengen auf die Inseln bringen.

Die nach Wallace benannte Linie ist eine sogenannte biogeografische Trennlinie. Sie trennt die asiatisch, westlich und australisch, östlich geprägte Flora und Fauna und verläuft im Norden zwischen Borneo und Sulawesi und im Süden zwischen Bali und Lombok. Der englische Naturforscher hatte auf seinen Reisen 1854 bis 1862 festgestellt, dass bestimmte asiatische Säugetiere wie Elefanten, Tiger, Tapire oder Orang-Utans auf Borneo, Java und Bali vorkommen, nicht aber auf Sulawesi, den Molukken und den Sundainseln und mit dieser Erkenntnis die Wallace Line geschaffen.

Indonesien ist mit Sicherheit ein Hotspot, was die Artenvielfalt über und unter Wasser betrifft. Und obwohl sich seit Jahrzehnten verschiedenste Umweltorganisationen für den Erhalt des Regenwaldes und der Artenvielfalt einsetzen, werden immer noch jährlich an die zwei Millionen Hektar Urwald gerodet. Überwiegend in den Tieflandregionen Borneos und Sumatras. Damit hat das ostasiatische Land sogar das Ausmaß der Zerstörungen im brasilianischen Regenwald überholt. Nicht nur der Tiger, sondern auch viele andere Tierarten sind vom Aussterben bedroht, weil ihnen der natürliche Lebensraum entzogen wird oder sie für lukrative Geschäfte getötet werden. Überall dort, wo sich Tier- und Umweltschutzorganisationen seit Jahrzehnten engagieren, können diese für den gesamten Erdkreis fatalen Entwicklungen manchmal gebremst oder sogar gestoppt werden.

So leben in den sehr dünn besiedelten Gebieten Borneos heute wieder zahlreiche Wild- und Antilopenarten sowie Flughörnchen. Im Übergangsgebiet zur Savanne findet man auch Elefanten, Antilopen, Hyänen und Stachelschweine. Zu den verbreiteten Reptilien gehören Krokodile, Schildkröten und Schlangen. Paradies-Vögel, Billhorns und CO sind die Könige der Lüfte und eine Augenweide, wenn man die nötige Geduld mit im Gepäck hat und sie zu Gesicht bekommt.

Wie überall in der Natur sind die große Artenvielfalt noch das bizarre Aussehen dieser tropischen Tiere Zufall, sondern ein Zeichen besonderer Anpassung an die Lebensbedingungen im Tropenwald. So gehören die lieblichen Kolibris mit nur zwei bis 20 Gramm zu den absoluten Leichtgewichten unter den Vögeln. Sie verspeisen bevorzugt Blütennektar, aber auch kleine Insekten. Manche Kolibris haben besonders lange Schnäbel, um an den begehrten Nektar zu kommen, andere bohren die Blüten mit ihren kurzen Schnäbeln einfach seitlich an. Dabei stehen die winzigen Vögel mit bis zu 80 Flügelschlägen pro Sekunde in der Luft. Ein kleines Wunder der Natur, an dem man sich nicht sattsehen kann.

Und das Nicht-Satt-Sehen-Können gilt auch für die faszinierende Affenwelt Asiens. Die Orang-Utans, übersetzt Menschenaffen,  waren ursprünglich in ganz Südostasien verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet reichte vom südlichen China über Thailand, Vietnam bis nach Java. Belegt ist dies durch Fossilienfunde in Südchina, Vietnam und auf der Insel Java. In Teilen dieser Gebiete dürften sie zumindest bis vor wenigen tausend Jahren überlebt haben. Heute leben sie jedoch nur noch auf den Inseln Sumatra und Borneo, und dort auch oft in geschützten Reservaten. Auf Sumatra bewohnen die Menschenaffen die nordwestlichen Regionen und Teile der Westküste, auf Borneo sind sie vorwiegend in den südlichen und östlichen Regionen anzutreffen.

Sie halten sich zum größten Teil in den Bäumen auf. Als größte Baumbewohner der Erde erreichen die wirklich Großen unter ihnen eine Armspannweite von bis zu 2,2 Metern Länge! Ganz schön imposant, wenn man ein paar Meter weg steht und ihnen beim Spielen oder Fressen zuschauen darf. Und auch nicht ungefährlich, wenn sie Junge haben.  Wobei die Orang-Utans, die in den Reservaten groß gezogen und dann ausgewildert wurden, an sich an den Menschen gewöhnt sind, können sie, wenn sie Gefahr für den Nachwuchs wittern, zu rasenden Bestien werden. Bevorzugter Schlafplatz dieser Waldbewohner sind Nester aus Blättern hoch oben in den Baumkronen, die sehr schwer zu finden sind.

Die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes durch die Rodung riesiger Waldflächen einerseits zur Holzgewinnung und andererseits zur Errichtung landwirtschaftlich genutzter Flächen, ist Hauptfeind aller Tiere, die in dieser Region der Erde beheimatet sind. Auf Borneo sind wir hunderte Kilometer durch Palmölplantagen gefahren, bevor wir die Nationalparks erreichten, denn Malaysia und Indonesien gehören zu den Hauptproduzenten von Palmöl, das von dort in die ganze Welt geliefert wird. Außerdem werden die Menschenaffen auch immer noch gejagt. Auf Zentralborneo wird ihr Fleisch verspeist oder sie werden geschossen, wenn sie auf Futtersuche in Obst- und Gemüseplantagen eindringen. Die Jungtiere werden dann meist gefangen und als Haustiere an zahlungskräftige Asiaten verkauft. Kein schöner Gedanke, aber immer noch gelebte Praxis.

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