Wo die Götter wohnen

Selamat hali raya Nyepi 1939 wird Ende März 2016 auf Bali gefeiert, also Neujahrbeginn für die Balinesen. Derzeit laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, überall wird geschmückt und an den Ogho-Oghos, den Geistern, die am Vorabend verbrannt werden, geschnitzt. Jede Minute, die frei ist, verbringen die Familien- und Dorfclans damit. Jeder will den größten und schönsten Geist zum Verbrennen haben, denn das bringt Glück und schützt im Neun Jahr vor allen bösen Einflüssen.

Ein Umzug am Vortag zum Balinesischen Neujahr – dem Tag der Stille.
Ein Umzug am Vortag zum Balinesischen Neujahr – dem Tag der Stille.

An Nyepi, dem ersten Tag im neuen Jahr,  wird der balinesische „Tag der Stille“ gefeiert. Es ist ein Tag des Fastens und der Meditation. Nyepi ist der höchste hinduistische Feiertag in Bali und ein allgemeiner Feiertag in ganz Indonesien. Nyepi wird nicht nur auf Bali gefeiert, sondern teilweise auch in anderen Teilen Indonesiens, in denen eine hinduistische Minderheit lebt, z.B. in Ost-Java oder West-Lombok. Nyepi wird gefeiert am Tag nach Neumond während der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling, 2016 war es der 9. März und wir waren dabei, 2017 ist es der 21. März.  Nyepi bezeichnet den ersten Tag eines neuen Jahres nach dem traditionellen Balinesischen Mondphasen-Kalender Saka. Während der Melasti-Zeremonie drei  Tage vorher werden heilige Objekte (Arca, Pratima und Pralingga) aus den Tempeln in einer Prozession zur nächsten Wasserstelle gebracht (Meer, See oder Fluss), wo die Statuen gereinigt werden (durch die Kraft des Wassergottes Baruna). Tieferer Sinn der Zeremonie ist die Reinigung der Natur, aber auch die Amerta – Quelle des ewigen Lebens – aus dem Wasser zu gewinnen. m Tag vor Nyepi wird eine beeindrucken Exorzismus-Zeremonie auf der ganzen Insel durchgeführt.

Nach dem Umzug werden die Geister verbrannt.
Nach dem Umzug werden die Geister verbrannt.

An der Hauptstraße  der jeweiligen Dörfer  – dem gedachten Treffpunkt der Dämonen – werden karnevalsähnliche Umzüge veranstaltet. Dabei werden Ogoh-Ogoh genannte Puppen durch die Straßen getragen, welche alle bösen Geister symbolisieren. Am Abend kulminieren die Feierlichkeiten im Ngerupuk, wo die Ogoh-Ogoh’s unter Veranstaltung von großem Lärm verbrannt werden. Sinn der Zeremonie ist die Verbannung aller bösen Geister aus den Dörfern und dem Leben der gläubigen Balinesen, um so wieder ein Gleichgewicht zwischen den Göttern, den Menschen und der Natur herzustellen. Nyepi beginnt um 6 Uhr morgens, und dauert bis 6 Uhr morgens des folgenden Tages.

In diesen 24 Stunden müssen folgende Regeln streng beachtet werden:

  • keine Festivitäten und absolute Stille;
  • fasten und keine Vergnügungen jeglicher Art;
  • Reiseverbot: die Häuser dürfen nicht verlassen werden;
  • Arbeitsverbot: es darf nicht gearbeitet werden;
  • Feuerverbot: kein Feuer, kein Licht;

Der gläubige Balinese verbringt den Tag in Meditation (Tapa/Yoga brata). Diese Regeln werden auf Bali sehr strikt eingehalten. An Nyepi sendet keine Radio- oder Fernsehstation. Der Flughafen ist für sämtlichen Flugverkehr unterbrochen, es fährt kein einziges Fahrzeug auf den Straßen (Rettungsfahrzeuge ausgenommen). Es werden keine Fußgänger auf den Straßen oder an den Stränden geduldet. Eine große Stille liegt über der gesamten Insel, am Abend und in der Nacht ist es fast völlig dunkel. Auf den Straßen patrouillieren sogenannte Pecalang, in schwarz-weiß karierten Sarongs gekleidete Religionspolizisten, welche die Einhaltung der Regeln kontrollieren. Die Einhaltung der Regeln (zumindest des Ausgehverbots) wird auch von den Touristen erwartet.

Tieferer Sinn von Nyepi ist ein Neuanfang in möglichst großer Reinheit. Die geübte Selbstkontrolle soll zur spirituellen Reinheit führen. Eine andere Interpretation von Nyepi besagt, dass durch die Stille und Dunkelheit den vorbeiziehenden Dämonen und bösen Geistern vorgegaukelt werden soll, die Insel sei verlassen, so dass sie weiterziehen und die Menschen vor ihrem schlechten Einfluss bewahrt werden. An Ngembak, dem Tag nach Nepy  besuchen sich die Balinesen gegenseitig, um sich um Vergebung zu bitten und so gereinigt in das neue Jahr zu starten. Das soziale Leben wird wieder aufgenommen. Der gläubige Hindu verbringt den Tag aber auch mit dem Studium der alten Schriften, Gesänge und Gedichte.

Reis war über Jahrhunderte die Lebensgrundlage auf Bali. Heute ist das zunehmend der Tourismus.

„Welcome to paradise“ steht am Eingang des Laguna Hotels auf der Halbinsel Nusa Dua im Süden Balis in großen Lettern – gilt nicht nur für die Hotels in Nusa, sondern unseres  Erachtens für die gesamte Insel. Ein kleines Paradies mit unglaublich liebenswerten Menschen und einem Spirit, der seines gleichen sucht. Nicht zuletzt sind die Balinesen überzeugt davon, dass der Pura Besakih, der Muttertempel am Fuße des Mount Agungs, deren Wurzeln bis an den schwarzen Sandstrand ins Meer hinunter reichen, das Zentrum der Welt ist. So scheint ganz Bali ein riesiger Tempel zu sein, in dem jeder  danach trachtet, Gutes zu tun, um irgendwann von der ewigen Wiedergeburt erlöst zu werden.

Eine Lebenshaltung, die die Menschen und die gesamte Insel durchdringt, genauso, wie der Duft der Frangipaniblüte, des westindischen Jasmins, der damals bereits die Österreicherin Vicky Baum in den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts und mit ihr unzählige Europäer, die seit der Kolonialisierung Südostasiens ihr Zelte in Indonesien und auch auf Bali aufgeschlagen haben fasziniert hat und immer noch betört.

Ebenso wie die vielen lachenden Gesichter, egal zu welcher Tageszeit man das Hotel verlässt und wo man sich gerade befindet, strahlende Augen und die schönsten Lächeln der Welt, die noch eine Spur intensiver werden, wenn man sich in ein paar Brocken Indonesisch oder gar balinesisch übt. Heute am Morgen eine riesen Zahnlücke beim Morgenjogging im braungerannten Gesicht eines etwa achtjährigen jungen und ein lustiges, lautes Hallo dazu – und der Tag muss einfach gut werden.  Am Abend als letztes das eines jungen Kellners, der auf die Frage, wie denn sein arbeitsreicher Tag war, ein strahelndes „exzellent“  parat hat. Und das wiederholt sich Tag um Tag aufs Neue, 365 Tage im Jahr.

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