Kindermund

Ali und Daniel – der eine in Salzburg, der andere in Braunau geboren, sind Freunde. Ali ist deutscher Staatsbürger und hat Wurzeln im Libanon, Daniel ist Österreicher. In einem Gespräch gehen die beiden Volksschüler der Frage der Kopftücher im Islam nach und reden über Kopftuchfrauen im Libanon und Österreich.

Daniel: Sag mal, Ali, du warst ja zu Weihnachten bei Verwandten in Beirut auf Besuch. Tragen alle Frauen dort Kopftücher?

Ali: Alle nicht, aber viele. Meine Tanten zum Beispiel tragen dort alle Kopftuch, und auch meine Cousinen. Eine studiert jetzt sogar Medizin. Die will Ärztin werden. Nur die ganz kleinen Mädchen nicht.

Daniel: Was nicht?

Ali: Die tragen kein Kopftuch. Und auch nicht die Frauen, die einer anderen Religion angehören.

Daniel: Welche Religionen gibt es denn dort?

Ali: Es gibt im Libanon 18 anerkannte Religionsgemeinschaften, die größten davon sind Christen und Muslime. Mein Papa hat mir gesagt, dass ungefähr 60 Prozent Muslime sind und 40 Prozent Christen. Früher war das noch genau umgekehrt.

Daniel: Echt? Das hab‘ ich gar nicht gewusst.

Ali: Daniel, was hast du dir eigentlich gedacht, als du meine Mama das erste Mal gesehen hast mit ihrem Kopftuch?

Daniel: Schick. Ich finde das passt total gut zu ihr. Mir gefällt das.

Ali: Ja, finde ich auch. Ich mag meine Mama mit Kopftuch. Sie ist wirklich schön damit. Im Islam haben viele Frauen Kopftuch, aber nicht alle. Man muss es ja auch nicht tragen. Wenn man es aufhat, ist es gut, wenn nicht, ist das auch okay.

Daniel: Und was sagst du zu meiner Mama? Die hat ja kein Kopftuch und ich mag ihre Haare sehr. Ali: Die ist auch schön. Auch ohne Kopftuch. Das Kopftuch ist halt praktisch, weil man dann die Haare nicht sieht. Da muss man nicht so oft zum Friseur gehen. Aber andererseits … das Kopftuch kostet ja auch Geld. Also ist es eigentlich egal.

Daniel: Ali, fährst du eigentlich oft in den Libanon?

Ali: Alle paar Jahre, wenn wir wieder unsere Verwandten besuchen, das ist immer recht nett, aber auch stressig. Und dann gehen wir auch zu den Gräbern der Toten. Die Friedhöfe dort sind wirklich schön, und auch der Libanon ist ein schönes Land. Mit gut 10.000 Quadratkilometern sehr klein, aber es leben viele Menschen dort. Ich glaube, es sind 6 Millionen. Aber so genau weiß man das gar nicht, weil immer mehr Flüchtlinge ins Land kommen, weißt eh, wegen dem Krieg in Syrien. Das ist ja gar nicht weit weg. Und du, Daniel, möchtest du einmal mitkommen?

Daniel: Ich kenn den Libanon ja nicht. Wir fahren immer nach Italien. Da ist es echt toll, da darf man so lange aufbleiben und dann ist da das Meer.

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Aus: Das Kopftuch ABC von Edith Konrad und Seinab Alawieh, IKON Verlag 2017, Brunn am Gebirge, ISBN 978-3-99023-475-4

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