Eltern- Tipp 8: Aus Fehlern wird man klug!

Aus Fehlern wird man klug!

Dieses alte Sprichwort hat immer noch seine Gültigkeit. Doch Fehler als Lernchance nutzen ist in einer Gesellschaft, die wenig Fehler-Kultur hat, gar nicht so einfach. Und das Kindern zu vermitteln, noch um einiges schwieriger. Denn gesellschaftliche Normen, ein stark ausgeprägtes Bewusstsein zum Perfektionismus und zur Fehlervermeidung werden uns gerade hier in Mitteleuropa sehr oft schon in die Wiege gelegt. Und im arabischen Raum, den ich durch die Herkunft meiner Eltern auch ein bisschen kenne, ist es nicht viel anders. Nordeuropäer oder auch Amerikaner, habe ich mir sagen lassen, gehen damit ganz anders um. Eine interessante Studie zeigt, dass Deutschland beispielsweise eine sehr wenig ausgeprägte Fehler-Kultur hat.

Siehe: https://thesmonwellpoint.de/deutschland-ist-in-sachen-fehlerkultur-so-gut-wie-schlusslicht/ oder https://www.welt.de/wirtschaft/bilanz/article178370014/Unternehmensfuehrung-Deutschland-braucht-eine-neue-Fehlerkultur.html oder https://tagesnews.eu/in-deutschland-ist-fehlerkultur-noch-ein-fremdwort/

Fehler-Kultur ist kulturell bedingt.

Nordländer oder Amerikaner haben eine andere Fehler-Kultur. Das heißt, sie gehen mit Fehlern und Misserfolgen anders um und nutzen diese als Lernchance.  Erkennen kann man die Fehler-Kultur einer Gesellschaft daran, wenn man schaut, wie sie auf Fehler generell reagiert.

Vielleicht wollt ihr das in eurem Umfeld mit folgenden Fragen einmal überprüfen: Wie geht man generell mit einem Fehler um? Werden, aus Sorge vor negativen Folgen und Strafen, Fehler eher vertuscht oder werden sie offen besprochen? Wird nach einem Fehler bestraft oder wird dieser gemeinsam konstruktiv besprochen und werden dann die Erkenntnisse daraus genutzt? Ist das Risiko, dass Fehler gemacht werden, erwünscht oder nicht? Wenn nicht, dann ist die Fehler-Kultur nicht stark ausgeprägt. Nutzt man die Erkenntnisse aus Fehlern für die Weiterentwicklung? Oder ist es tabu, sichere Wege zu verlassen?

Es gibt Kulturen, die keine ausgeprägte Fehler-Kultur haben, die Fehler sofort bestrafen und damit bereits Kinder zur Anpassung nötigen. Und es gibt Kulturen, wie die oben angesprochenen die amerikanische oder die nordländischen, die im Gegensatz dazu konstruktiv mit Fehlern umgehen und das Fehler-Machen als Chance zur Weiterentwicklung nutzen.

Aus Fehlern lernen.

In Mitteleuropa ist, wie die Studien belegen, die Fehler-Kultur oft nicht sehr stark ausgeprägt. Schon als kleine Kinder lernen wir, dass wir perfekt sein müssen und keine Fehler machen dürfen. Fehler werden sehr oft bestraft. Das führt dazu, dass wir früh anfangen, Fehler zu vermeiden oder, wenn dann doch einer passiert, zu vertuschen. Wenn ihr an eure eigene Kindheit denkt, fallen euch dazu sicherlich Beispiele ein. Vielleicht wollt ihr dazu den kleinen Test machen:

Wir alle haben auch schon oft das alte Sprichwort strapaziert, dass man aus Fehlern lernt. Trotzdem fällt es uns meist nicht leicht, einzugestehen, dass wir etwas falsch gemacht haben oder etwas nicht können. So gesehen kennen wir zwar den Spruch, können ihn aber nicht wirklich umsetzen und haben immer wieder Angst, Fehler zu machen. Das überträgt sich auch auf unsere Kinder.

Fehler machen wir alle aber ob wir aus unseren Fehlern auch lernen können, das kann jeder für sich selber beurteilen .Ich versuche immer meinen Kinder zu erklären, was falsch gelaufen ist, wenn sie eine Fehler machen, damit sie es beim nächsten Mal anders machen können. Wenn sie dann immer wieder in die selbe Fehler-Falle tappen, dann reißt mir manchmal schon auch der Geduldsfaden. Dann wird es auch für mich schwierig, ruhig zu bleiben und wiederholt auf den Fehler und das daraus zu Lernende hinzuweisen. Vor allem dann, wenn ich das Gefühl habe, sie hören nicht zu oder es ist ihnen auch egal.

Kinder lernen durch Versuch und Irrtum – Fehler inklusive!

Nun habe ich dazu etwas nachgeforscht und auch im Internet gelesen, dass es normal ist, dass Kinder immer wieder den selben Fehler machen. Denn Kinder brauchen länger als Erwachse, um ihre Fehler zu realisieren. Wir Erwachsene sind reflektierter, denken meistens über die Fehler nach und versuchen sie dann zu beheben bzw. beim nächsten Mal nicht mehr zu machen. So passiert Weiterentwicklung.

Kinder handeln nach dem Versuch-Irrtum-Prinzip und lernen dabei erst nach mehreren „Niederlagen“, was sie anders machen müssen. Man denke nur an ein kleines Kind, das gerade das Gehen lernt. Es fällt immer wieder hin, steht auf und versucht es wieder und wieder. Bis es klappt und es sich längere Zeit ohne Hinfallen auf den Beinen halten kann. Das stolze und siegessichere Lachen meiner Kinder, als sie diesen Prozess geschafft hatten und zu ersten Mal auf sicheren Beinen längere Wege gelaufen sind, ohne hinzufallen, werde ich nie vergessen.

Lernen durch Tun, so wie Konfuzius schon sagte!

Diese Momente sollte man sich abspeichern und dann in schwierigen Situationen, wenn es ums Lernen aus Fehlern geht, immer wieder herbeiholen. Dann wird man geduldiger und kann gelassener zuschauen, wenn Kinder Fehler machen. Denn lernen tun sie nur, wenn sie das Ergebnis des Fehlers am eigenen Leib spüren – Warnungen und Erklärungen (manchmal sind die nötig, um Gefahren abzuwenden), haben da wesentlich geringere Wirkung auf den Lerneffekt.

Es gibt da ein schönes Sprichwort von Konfuzius, das das auf den Punkt bringt und das Lernen ganz allgemein betrifft: „Sage es mir, und ich vergesse es. Zeige es mir, und ich behalte es. Lasse es mich tun, und ich kann es.“ Den kann man sich nicht oft genug ins Gedächtnis rufen – deshalb zum Ausdrucken in folgendem Dokument.

Sicher: Hier brauchen wir Erwachsene oft einen langen Atem. Doch ist es für die Entwicklung unserer Kinder wichtig, dass wir sie ausprobieren lassen, Fehler machen lassen. Schimpfen und strafen, wenn Fehler passieren, egal wo, ist aus meiner Sicht der falsche Weg. Damit verlieren die Kinder ihre Begeisterung, Neues zu probieren und auch die Beharrlichkeit, etwas so lange zu versuchen, bis sie es geschafft haben.

Erfahrungen teilen!

Habt ihr ähnliche Erfahrungen, Fragen oder Beispiele, die ihr mit anderen teilen möchtet? Dann gerne an mich schicken. Kontakt: seinabalawieh@hotmail.de

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