Eltern-Tipp 7: Wie achte ich trotz Stress auf die Gefühle meines Kindes?

Wir Eltern sind manchmal richtig überfordert. Egal, ob nach einem stressigen Arbeitstag, einer Nacht ohne oder mit nur wenig schlechtem Schlaf. Oder, wenn uns Verantwortung, die Eltern zu tragen haben, wieder einmal zu viel wird. Das kennen wir alle. Ich denke, jedem fallen dazu Erlebnisse ein. Dann reagieren wir in der regel falsch. Ich erwisch mich dann dabei, dass ich launig bin und die Kinder anschreie. Doch es ist wichtig, sich in so einer Situation ganz schnell klar zu machen, dass die Kinder mit unserer schlechten Laune rein gar nichts zu tun haben. Die kommt von den eingangs erwähnten Stresssituationen. Die Kinder beziehungsweise ihr Verhalten sind dann oft nur Auslöser für einen Wutanfall, der uns in der Regel ganz schnell wieder leid tut.

Meist warten unsere Kinder voller Freude auf die Eltern, wenn diese von der Arbeit zurück kehren. Sie haben viel zu erzählen und überfallen uns gleich an der Haustüre übermütig und mit lauten Wort-Schwallen. Wir sind müde und abgekämpft. Vielleicht ist der Tag auch nicht gut gelaufen und wir bräuchten eigentlich genau jetzt eine Pause und etwas Ruhe. Doch wie kann ich meinem Kind, ohne dabei sein Gefühl zu verletzen, erklären, dass ich für die lautstarke Begrüßung gerade zu erschöpft bin und eigentlich ein weinig Zeit für mich bräuchte. Ruhe und Alleinsein – klingt egoistisch, wenn man eh den ganzen Tag weg war.

Mitten in einem Konflikt seine Bedürfnisse erkennen!

Kinder, mit denen man die Gewaltfreie Kommunikation, die GFK oder Giraffensprache, wie sie auch genannt wird, immer wieder übt, haben in der Regel oft mehr Verständnis für solche und ähnliche Situationen und können auch empathischer sein. Das hat der Erfinder der Gewaltfreien Kommunikation, Marshall B. Rosenberg auch in einem CD-Training zur GFK eindrucksvoll beschrieben. Als er einmal nach einen mehrtägigen Workshop, in den es darum ging, einen Konflikt zwischen verschiedenen zerstrittenen Kriegs-Parteien beizulegen, nach Hause kam und sich beim Betreten der Wohnung noch dachte, dass er nie wieder in so einem anstrengenden Konflikt landen wollte, wie jenem, den er gerade im Workshop bearbeitet hatte, war er gleich wieder mitten drin: in einem Konflikt, den seine Kinder gerade lautstark austrugen.

Die Nerven zu Zerreißen gespannt, sagte er anstatt einer netten Begrüßung etwas barsch: „Hört mal her, ich hab jetzt drei Tage mitten in einem anstrengenden Konflikt gearbeitet und brauche jetzt etwas Ruhe und keine Streiterei von euch! Habt ihr verstanden?“ Seine Kids, denen es kurz die Sprache verschlug, weil sie diesen Tonfall von ihrem Vater nicht kannten, hielten in ihrem Streit innen, schauten ihn verdutzt an und waren plötzlich ganz ruhig. Sein jüngster Sohn ging zu ihm hin und fragte einfühlend: „Papa, möchtest du darüber reden?“

Zwischen Ursache und Auslöser trennen!

Ein schönes Beispiel, das zeigt, dass in besonderen Ausnahmesituationen auch die Gewaltfreie Kommunikation, durchaus mit einem „gewaltvollen“ Ton ausgedrückt, ihre Wirkung nicht verfehlt. Das Geheimnis dabei ist: Rosenberg hat nicht seine Kinder beschimpft, dass sie unmöglich, verzogen und lästige Streithanseln sind, sondern ist bei seinem Gefühl und seinem Bedürfnis geblieben und hat – wenn auch etwas lautstark – gebeten, dass sie darauf Rücksicht nehmen sollen. Er hat also Ursache seiner schlechten Verfassung (anstrengendes Seminar) und Auslöser seines Wutausbruches (schreiende Kinder) auseinander dividiert und gleichzeitig seine Bedürfnisse erkannt und benannt.

Klingt ja ganz einfach, ist in der Praxis aber sicherlich am Anfang schwer umzusetzen. Trotzdem: immer wieder versuchen und ihr werdet sehen, dass es dann viel weniger Konflikte und Streit gibt. Literatur zum Nachlesen findet ihr in unserem ipi – Shop https://www.ipi.co.at/ipi-shop/, ein paar einfache Übungen hier.

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