Kommunikations-Tipps 8: Arbeitswelt: Wer gut fragt, führt gut!

In der Arbeitswelt Mitarbeiter gut führen heißt, richtige Fragen stellen!

Dass gutes gesellschaftliches Zusammenleben im täglichen Umgang miteinander nicht immer leicht ist – davon können wir alle ein Lied singen. Sowohl im Privaten, als auch in der Arbeit. Besonders dort halten sich aber viele von uns einen Großteil der Lebenszeit auf. Zumindest jene, die sich im Haupterwerbsalter befinden und einem Vollzeitjob nachgehen oder auch mehrere verschiedene Funktionen inne haben.

Missverständnisse, Aneinander-Vorbeireden, nicht wirklich Hin- und Zuhören prägen sehr oft den (Arbeits)Alltag und sorgen für Unmut, Verstimmungen, Verletzungen und manchmal auch schlechtes Betriebsklima. Hier hat natürlich jeder seinen Beitrag zu leisten, da es in der Begegnung zwischen Menschen auch Eigenverantwortung gibt. Eine zentrale Rolle im Kommunikationsprozess im Unternehmen nimmt aber die Führungskraft ein.

Haben Sie schon einmal einen Vorstandschef eines Bauunternehmens Ziegeln schleppen sehen?

Nicht umsonst heißt es, wer gut fragt, führt gut. Im Grunde ist Führungsarbeit fast zu 100 Prozent Kommunikationsarbeit. Oder haben Sie schon einmal in einem großen Bauunternehmen den Geschäftsführer oder Vorstandschef auf der Baustelle Ziegel schleppen sehen? Nein, eine wesentliche Aufgabe von Führungskräften in jedem Unternehmen ist es, die definierten Werte vorzuleben und permanent durch wertschätzende, empathische Kommunikation dafür zu sorgen, dass der Laden läuft.

Einfach gesagt, aber manchmal schwer umzusetzen: Jeder von uns kennt das Gefühl, etwas zu sagen, doch mit den Botschaften nicht anzukommen. Wir reden aneinander vorbei. Hören nicht zu. Glauben zu wissen, was der andere meint und meinen nicht selten, die Wahrheit gepachtet zu haben. Vor allem vor letzterem ist niemand – auch Führungskräfte nicht – gefeit. Nur zu schnell wissen wir in der Regel, dass der andere schuld an diesem und jenem ist. Oder, was das Gegenüber falsch macht ohne darüber nachzudenken, was man selber zum Misslingen des Gespräches in der konkreten Situation beigetragen hat. Schubladendenken und Vorurteile erschweren unseren Alltag und verhindert oft eine qualitätsvolle Interaktion mit und eine gute Beziehung zu anderen.

Wertschätzende Kommunikation braucht Zeit!

Kommt hinzu, dass in Unternehmen oft schnelles Handeln im Vordergrund steht und für langwierige Kommunikationsprozesse keine Zeit ist. Schon gar nicht, wenn es um Befindlichkeiten geht. Gut beraten ist jedoch, wer sich gerade in schwierigen und Krisenzeiten dafür entsprechend Zeit nimmt. Das ist auch jetzt, in Corona-Zeiten, ein absolutes Muss – auch bei Führen auf Distanz im Homeoffice.

Eigene Unsicherheiten und Ängste, die sehr häufig Kontrollzwang bewirken, können gute Kommunikation blockieren. Also gilt es im ersten Schritt, mit sich selber im Klaren zu sein, um in die Kraft zu kommen, andere zu führen und zu motivieren, den manchmal schwierigen Weg mitzugehen. Die PERMA – Regeln, ein Instrument aus der positiven Psychologie, das die Theorie des Wohlbefindens von Martin Seligman (siehe Literatur-Tipp unten) als Grundlage hat, ist beispielsweise ein hilfreiches Instrument zur Selbststärkung, das jeder ohne viel theoretischen Background anwenden kann.

  • P steht dabei für Positive Emotions: Optimismus durch Dankbarkeit, Genuss, Zuneigung etc.
  • E für Engagement, also Aufgaben, mit denen man sich identifiziert und die man im richtigen Modus, im Flow (ohne Über- oder Unterforderung) ausüben kann,
  • R für Relationships: Positive Beziehungen, die uns tragen. Mit Menschen umgeben, auf die man sich verlassen kann, die Kraft und Energie geben und denen man auch Unterstützung und Nähe geben kann, das macht glücklich.
  • M für Meaning, also den Sinn oder die Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit bzw. unseres gesamten Schaffens. Dabei besonders die kleinen Erfolge im Auge haben!
  • A für Achievment/Accomplishment: Leistung und Zielerreichung. In kleinen Schritten aber auch in Hinblick auf unser Lebensziel. Was wollen wir, wenn wir am letzten Tag unseres Lebens Bilanz ziehen könnten, erreicht haben. Woran soll sich die Nachwelt erinnern?

Selbstreflexion stärkt!

Generell gilt: Wer sich selbst gut kennt, über seine mentalen Modelle Bescheid weiß, seine Vorurteile reflektieren, Perspektiven wechseln und auch andere Wertemodelle anerkennen kann, ja, vielleicht sogar neugierig darauf ist, tut sich im Lebens- und Arbeitsalltag leichter. Denn dann sind wir in Balance, oder wie man umgangssprachlich so schön sagt „im Reinen mit uns“. Wir sind geerdet, mit beiden Beinen am Boden der Wirklichkeit und gut gegen stürmische und bewegte Zeiten gewappnet. Auch wenn Krisen, wie jene im Frühjahr 2020 uns aus dem Gleichgewicht zu werfen drohen.

Dann kann uns so leicht nichts aus der Bahn werfen. Weder Chaos, noch extremer psychischer und physischer Stress, noch Schicksalsschläge. Wir sehen das halb volle und nicht das halb leere Glas, erkennen vermeintliche Probleme als Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Mit dem richtige Mindset gelingt es, die Veränderungen anzunehmen und als Parameter zu verstehen, an denen wir wachsen und uns weiter entwickeln können. Menschen, die sich diese Einstellung erhalten, sind resilienter – widerstandsfähiger – und überstehen Krisen leichter.

Selbstführung ist Voraussetzung für gute Führung.

Einiges darüber, wie wir diese Balance herstellen und dadurch auch als Führungskraft und in der Verantwortung für Unternehmen und Menschen gute Selbstführung erlangen, habe wir in den Kommunikationstipps eins bis sieben bereits gesehen https://www.ipi.co.at/thema/kommunikation/. Eine Zusammenfassung dazu und viele Übungen, die im Selbststudium, gemeinsam im Team aber auch in der Aus- und Fortbildung in Unternehmen angewandt werden können, finden Sie auch in dem Buch „Selbstmanagement und Interaktion“ aus der Reihe Soziales Lernen https://www.ipi.co.at/ipi-shop/buch-soziales-lernen-selbstmanagement-und-interaktion-eine-gebrauchsanweisung/ praktisch zusammengefasst als Taschenbuch oder auch als PDF zum Ausdrucken.

„Ich muss selber fit sein um andere zu führen!“

Angeregt dazu, das Wissen aus drei Jahrzehnten Forschung, Seminaristik, Beratungsarbeit und Coaching zu sammeln, hatte ein Tour-Guide, mit dem wir 2015 durch den Dschungel Zentral-Sumatras auf der Suche nach den letzten Orang Utans streiften. In einem Gespräch über die Arbeit der Dschungel-Führer sagte er: „Wenn ich selber nicht geistig und körperlich 100 Prozent fit und gesund bin, kann ich diese Tour mit den Touristen nicht machen. Das ist Voraussetzung und meine Verantwortung meinen Gästen gegenüber, die sich mir anvertrauen.“

Die Aussage hat mich damals sehr berührt, weil sie von einem sehr anspruchslosen und bescheidenen Menschen, der keine großartige Schulbildung oder Ausbildung absolvieren konnte und sich und seine Familie mit Gelegenheitsjobs durch Leben bringen musste, aus tiefsten Herzen und mit vollster Überzeugung gesprochen wurde. Sie offenbarte für mich wieder einmal das Geheimnis, dass all unser Tun und unsere Kommunikation, die Instrument im Miteinander ist, bestimmt: nämlich unser Menschenbild, das dafür verantwortlich ist, dass wir das, was wir tun, auf die Weise tun, wie wir es tun. Haltung und Werte bestimmen das persönliche Verhalten und wirken auf andere. Hier ist die Vorbildwirkung von Führungskräften in Unternehmen nicht zu unterschätzen und ein wichtiger Indikator für das Betriebsklima und den respektvollen Umgang der Menschen miteinander in einem Betrieb. In diesem Kontext sind Führungskräfte Vorbilder. Sie handeln durch Kommunikation.

Klarheit, Beziehung und Purpose.

Was dabei im Auge zu behalten sind, sind drei Prinzipien: Klarheit, Beziehung zu den Mitarbeitern und der Purpose der Firma. Das Sender-Empfänger-Prinzip, auf dem Kommunikation vereinfacht, schematisch dargestellt immer noch funktioniert (neue Ansätze siehe Tipps 5, 6 und 7 https://www.ipi.co.at/thema/kommunikation/) braucht vor allem in Krisenzeiten (aber auch sonst) kurze, klare Botschaften. Weniger ist dabei mehr. Klare Regeln müssen in verständlicher Sprache rüber gebracht werden. Je mehr Wiederholungen umso besser. Gute Redner aber auch Populisten kennen dieses Prinzip und beherrschen die Technik. Ein gutes Beispiel dafür ist der amerikanische Präsident, der, egal wie man zu ihm steht, dieses Handwerk mit Sicherheit beherrscht.

Das zweite Prinzip, die Gestaltung einer guten Beziehungsebene, dürfte – so hat man zumindest manchmal den Eindruck – dem amerikanischen Präsidenten weniger bekannt sein. Empathie und Offenheit bzw. vertrauensvoller und respektvoller Umgang mit Mitmenschen scheinen nicht seine große Stärke zu sein. Wer selber Schwächen eingestehen kann und sich da und dort verletzlich zeigt, wirkt authentisch und hat Charisma. Das ist für jedes Individuum Identitäts stiftend und schafft Möglichkeiten der Identifikation für andere.

Der Purpose, also die Mission bzw. der Zweck, warum wir tun, was wir tun, ist das, was in der Kommunikation im Unternehmen an oberster Stelle stehen muss. Visionen und Werte sind die Basis, doch die zentrale Frage ist die, warum wir (das Unternehmen) tun, was wir tun. Wer die Mission seines Unternehmens den anderen vermitteln kann, hat viele treue Weggefährten an seiner Seite, die daran motiviert mitarbeiten. Wichtig dabei ist, immer wieder inne zu halten, zu reflektieren und zu adaptieren, aber auch kleine und größere Erfolge auf dem Weg zusammen zu feiern.

Achtsam, wachsam und dadurch wirksam sein – Anregungen für Trainings!

Aus bewährten Denkmustern hinausdenken, manchmal auch querdenken, kann man lernen. Durch Reflexion eigener Denkmodelle und neue Kommunikationsmuster. Die Kernkompetenzen des Bohmschen Dialoges beispielsweise bringen mehr Qualität in der Interaktion und Beziehung zu uns selbst und zum Gegenüber. Im Mittelpunkt dabei stehen ganz einfache Dinge wie Verlangsamung, das Zuhören, Respekt vor dem Anderen, die Meinung des anderen stehen lassen können, nicht permanent zu werten und zu bewerten und offen und vertrauensvoll zu agieren. Dadurch durchbrechen wir unliebsam gewordene Automatismen, lernen besser mit unseren Ressourcen zu haushalten und mit permanenter Überforderung umzugehen.

David Bohm bezeichnet den Dialog als Kunst, gemeinsam über etwas nachzudenken. Er beschreibt ihn in seinem Buch als offenes Gespräch am Ende der Diskussion. Im Dialog geht es darum, eigene Denkspuren zu erforschen und Grenzen der herkömmlichen und viel geübten Kommunikation zu überschreiten. Management-Gurus aus aller Welt haben diese Jahrtausende alte Praxis vor einigen Jahren wieder aufgegriffen und tragen den Dialoggedanken, der im Massachusetts Institute of Technologie (MIT) in den USA weiter entwickelt wurde, seither in ihren Seminaren und Trainings in die Welt hinaus. Mehr dazu https://www.ipi.co.at/kommunikations-tipps-3-dialog-warum-der-kreis-den-unterschied-macht/

Oder – eigentlich und, weil es sehr ähnliche Ansätze sind):Warum nicht auch einmal etwas zum Thema Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg erfahren und anhand der Wenn-Dann-Weil-Deshalb Formel andere Möglichkeiten der Interaktion kennen lernen? Von der Beobachtung ausgehend das Gefühl dazu erforschen, das Bedürfnis dahinter erkennen und daraus eine Bitte formulieren hilft uns in der zwischenmenschlichen Kommunikation mit Sicherheit ein Stück weiter. Mehr dazu unter https://www.ipi.co.at/kommunikations-tipps-1-gewaltfreie-kommunikation-i/

Wer sich intensiver mit Führungs-Kommunikation beschäftigen möchte, gerne anfragen. Wir bieten Einzel-Coachings (analog oder auch per Video-Meeting) und Seminare sowie DialogForen. Zwei Beispiele finden Sie hier. Nichts dabei? Dann sagen Sie uns, was Sie brauchen. Wir machen gerne ein Angebot abgestimmt auf Ihre Bedarfe http://www.ipi.co.at/kontakt/

Wer gut fragt, führt gut

Im folgenden ein paar Frage-Tipps für Team-Meetings und die emotionalen Phasen in Veränderungsprozessen. Es sind viele Fragen, mit denen Sie sich über Stunden gemeinsam im Team, der Abteilung auseinandersetzen und in der Beantwortung die anderen ein Stück weit besser kennen lernen können. Die für Sie und die Situation bzw. das Ziel des Meetings passenden auswählen und einfach ausporbieren:

Literaturtipps

  • Rosenberg, Marshall B. (2013), Gewaltfreie Kommunikation, 11. überarbeitete und erweiterte Neuauflage, Junfermann, Paderborn
  • Rosenberg, Marshall B., Seils, Gabriele (2005), Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation, Ein Gespräch mit Gabriele Seils. 5. Auflage, Herder, Freiburg/Basel/Wien
  • Scharmer, Otto C. (2009), The Theorie U, Von der Zukunft her führen, Presencing als soziale Technik, Heidelberg, Carl Auer Verlag
  • Storch, Maja, Tschacher, Wolfgang (2014), Emodied Communication, Kommunikation beginnt im Körper, nicht im Kopf, Huber Verlag, München
  • Storch, Maja,  Cantieni, Benita, Hüther, Gerald, Tschacher, Wolfgang (2010), Embodiment, Die Wechselwirkung von Körper und Psyche, verstehen und nutzen, 2. Auflage,  Bern, Verlag Hans Huber
  • Sedmak, Clemens (2015), Das Gute leben, Von der Freundschaft mit sich selbst, 3. Auflage, Innsbruck, Tyrolia
  • Senge, Peter M (2008), Die Fünfte Disziplin, Kunst und Praxis der lernenden Organisation, Stuttgart, Schäffer-Poeschel Verlag
  • Seliger, Ruth (2014), Das Dschungelbuch der Führung, Ein Navigationssystem für Führungskräfte, 5. Auflage, Heidelberg, Carl Auer Verlag
  • Seligman, Martin (2015), Wie wir aufblühen: Die fünf Säulen des persönlichen Wohlbefindens

Angebot: Dreistufiges Online-Coaching zum Thema „Kommunikation“

„Warte nicht, es gibt nie den richtigen Zeitpunkt“, hat Napoleon schon gemeint, und damit Kriege gewonnen. Also worauf warten: Jetzt zum Sonderpreis von € 150,00 plus 20% Mwst. für drei Online-Coaching-Stunden (a 45 Minuten) bekommen Sie eine Analyse Ihrer persönlichen Situation und einen Plan, den Sie im Alltag umsetzen und dazu. Zum Abschluss erfolgt eine gemeinsame Reflexion, Sie bekommen weitere Tipps und bei Bedarf können weitere Online-Coachings vereinbart werden.

Ablauf eines dreistufigen Coachings:

1. Coaching: Analyse Ihrer persönlichen Ausgangssituation und erste Tipps.

2. Coaching: Nach einer Woche Besprechung des individuell für Sie zusammen gestellten Umsetzungsplans und Leitfaden zur Umsetzung.

3. Coaching: Nach einem vereinbarten Zeitpunkt (frühestens nach drei Wochen) gemeinsame Reflexion der Umsetzung und Abschluss des Coachings bzw. bei Bedarf Vereinbarung weiterer Schritte. Wir gehen zum Abschluss gemeinsam den Fragen nach: Was war mein Ausgangspunkt? Was hat sich in der Praxis verändert und was ist jetzt anders? Was ist gelungen, was nicht? Wo brauche ich noch Unterstützung? Was möchte ich weiter intensivieren?

Schreiben Sie uns eine Mail office@ipi.co.at zur Terminvereinbarung für das Online-Coaching. Wir rufen Sie auch gerne an. Für das Coaching brauchen Sie nur ein Tablet mit Kamera und Mikrofon. Falls nicht vorhanden, sind auch telefonische Coachings möglich.

Kontaktformular: http://www.ipi.co.at/kontakt/

Miteinander und voneinander lernen!

In diesem Blog finden Sie regelmäßig Infos und Tipps rund ums Lernen, Erziehung und Bildung. Wir freuen uns auch über Rückmeldung und Ihre Erfahrungen zu den jeweiligen Themen bzw. beantworten wir auch gerne Fragen unter www.ipi.co.at oder seinabalawieh@hotmail.de

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