Die Gewürzinseln – Süd- und Nordmolukken

Arabische, chinesische und indische Kaufleute brachten im Mittelalter Pfeffer, Muskat, Nelken und andere Gewürze von den ostindonesischen Inseln nach Europa und wurden damit reich. Um das Monopol der Zwischenhändler zu brechen, machten sich schon bald europäische Seefahrer auf die Suche nach den legendären Gewürzinseln. Christoph Kolumbus entdeckte bei einer dieser Reisen Amerika, weil er nicht Richtung Osten, sondern Richtung Amerika gesegelt war. Die Weltumsegelung des Portugiesen Ferdinand Magellan ist der Suche nach den wohlriechenden und Geld bringenden Kostbarkeiten geschuldet.

Südmolukken

Ambon – Einst Zentrum kolonialer Macht

Die Gewürze brachten unermesslichen Reichtum nach Europa. Auf dem Weg von den Herkunftsländern nach Spanien, Portugal und den Niederlanden vertausendfachte sich der Wert der Ladung. Und die Europäer brachten Ausbeutung und unendliches Elend nach Südostasien. Allein vom Banda Archipel im Süden Ambons exportierten die Holländer bis zur Auflösung der Ostindien-Kompanie im Jahr 1799 Muskatnüsse und Muskatblüten im Wert von mehr als einer Milliarde Gulden nach Europa.

Eine wechselvolle Kolonialgeschichte, die auf maximalen Profit ausgerichtet war, bestimmte fortan die Geschichte der Molukken. Erst als es Engländern und Franzosen Mitte des 18. Jahrhunderts gelang, Muskatsämlinge auf die westindischen Inseln zu schmuggeln und dort heimisch zu machen und damit das Gewürzhandelsmonopol der VOC zu brechen, verloren die Molukken an Bedeutung. Heute wird auf den Inseln auch Kopra angebaut, das zur Gewinnung von Kokosöl dient.

Die legendären Gewürzinseln erstrecken sich von den Philippinen bis nach Nordaustralien. Die meisten der 999 Inseln sind in herkömmlichen Schulatlanten nicht zu finden. Verwaltungszentrum ist Ambon, auf der gleichnamigen Insel gelegen.

Der koloniale Charme der heute rund 400.000 Einwohner zählenden Stadt, die rund um eine portugiesische Festungsanlage entstanden ist, wurde bei der Bombadierung gegen Ende des Zweiten Weltkrieges durch die Japaner zerstört.

Heute reihen sich Hochhäuser, moderne Zweckbauten, Wellblechhütten entlang der verdreckten Klongs, Kirchen und moderne Moscheen buntgemischt aneinander.

Die Straßen sind zu den Stoßzeiten ähnlich verstopft wie in Jakarta, wer einen Tag mit dem Motorrad unterwegs ist, bekommt am Abend die vom Staub und den Abgasen verdreckten Füße kaum mehr sauber. Trotzdem lohnt ein Streifzug durch die Stadt und die umliegenden Bergdörfer, die heute noch von der Muskat- und Nelkenernte leben.

Die Zentren des Musakt-, Zimt- und Pfefferhandels haben sich mittlerweile von den Molukken nach Java und Sulawesi verlagert. Die Köstlichkeiten gibt es aber auf den großen Märkten der Stadt immer noch zu kaufen – frisch vom Feld und zu Preisen, von denen man in Europa nur träumen kann.

Auf den ersten Blick leben die Bewohner der Stadt in friedlicher Koexistenz. Doch die letzten Unruhen liegen noch gar nicht so lange zurück. Im Jahr 1999 forderten Auseinandersetzungen zwischen den Christen der Stadt und den Muslimen, die aufgrund der gezielten Ansiedlungspolitik der indonesischen Regierung damals bereits 50 Prozent der Bevölkerung stellten, mehr als 4000 Tote.

Die Wurzeln der Abneigung mögen auch in der kolonialen Vergangenheit zu finden sein. Die Ambonesen nahmen sehr rasch den christlichen Glauben und die Gebräuche der holländischen Besatzer an und wurden so wie die Minahasa Nord-Sulawesis von diesen auch als verlässliche Mitkämpfer in ihren Armeen geschätzt. Und dafür wurden sie von den Menschen der anderen Inseln angefeindet.

Die Javaner bezeichneten die Ambonesen als „belanda hitam“ – schwarze Holländer. In Anerkennung ihrer Dienste hätten die Holländer den Ambonesen sogar im Vertrag von Den Haag 1949 die Autonomie zugesichert. Diese wurde aber von der indonesischen Regierung nicht anerkannt und Präsident Sukarno ging mit Waffengewalt gegen die Widerständler vor. Zehntausende Ambonesen gingen damals ins Exil in die Niederlande.

Heute sind die Reisebeschränkungen wieder aufgehoben, die Spannungen aber, wie Insider behaupten, immer noch latent vorhanden. Ebenso, wie der im Bericht über West-Papua bereits beschriebene Ahnen- und Geisterglaube. Nahe des Dorfes Soya, das hoch über Ambon trohnt, befinden sich nicht nur Muskatbäume und Nelkenbäume, sondern auch noch eine heilige Quelle, die niemals austrocknet und als ewiger Jungbrunnen verehrt wird. In den Dörfern der bergigen Gegend rund um die Provinzhauptstadt sind immer wieder uralte Megalithe zu sichten, die von den Christen und Muslimen gleichermaßen als heilige Orte verehrt werden. Hier funktioniert die Koexistenz diesseits und jenseits der kulturellen und religiösen Grenzen.

Nordmolukken

Ternate – Unterwegs zwischen Moscheen und Muskatnussbäumen

Man muss sie einfach mögen. Die Menschen auf Ternate. Auch wenn die Insel außer Ursprünglichkeit sonst gar nichts zu bieten hat. Außer diese unglaublich freundlichen Menschen und den Vulkan Gamalama, der zuletzt 1994 ausbrach. Beides gehört untrennbar zusammen.

Der Vulkan und das Meer bestimmen das Leben der Menschen, die bereits beim Ankommen dem Begriff Freundlichkeit eine neue Bedeutungs-Dimmension geben. Ihr allgegenwärtiges Lächeln ist zu vereinnahmend, ihre freundlichen Zurufe, auch wenn die Rufer gar nicht zu sehen sind, nicht zu überhören und schon gar nicht zu ignorieren. Alle paar Meter ein freundliches „Hello Sir, Alo Mister“. Manchmal, eher seltener, dazwischen auch ein „Hi Miss“.

Ein bisschen kommt man sich vor wie King und Queen auf Repräsentationstour. Einmal winken nach, rechts, dann winken nach links, und das gefühlte tausendmal an einem Tag. Jeder Gruß zurück und jedes freundliche Wort wird mit einem Lächeln quittiert. Von den Erwachsenen meist ohne Ton, von den Kinder oft kreischend und quietschend. So willkommen wie hier fühlt man sich selten wo. Auch wenn man sich schwer verständigen kann, da die Menschen auf Ternate noch wenig Englisch sprechen. Mit Händen und Füßen und ein paar indonesischen Vokabeln erschließen sich aber sehr rasch neue Welten.

Sogar am Airport noch kurz vor Abflug, wenn ein paar Verkäuferinnen zwar nichts an den Kunden bringen, aber eine paar nette Minuten gemeinsamen Lernens mit dem Touristen teilen. Mit der nächsten Generation wird dass sicher anders, da die Kinder in der Schule bereits Englisch lernen und das Gelernte mit den „Orang Puthi“, den Weißen, auch gerne ausprobieren.

Ternate und die ebenfalls vulkanische Nachbarinsel Tidore sind wohl die bekanntesten der 353 Inseln der Nord-Molukken. Bereits im 15. Jahrhundert gab es Handelskontakte mit den Phillippinen und mit arabischen, chinesischen und javajanischen Seeleuten. Die Europäer nutzen die Feindschaft unter den einzelnen Sultanaten in Ost-Indonesien für ihre Machtinteressen und verbündeten sich mit den verfeindeten Sultanen, um auf den legendären Muskat- und Nelkeninseln Fuß zu fassen.

Im 17. Jahrhundert setzen sich die Holländer durch und begründeten ihr Handelsmonopol, das wie im Bericht über Ambon bereits beschrieben, Not und Elend auf die Molukken und Reichtum nach Europa brachte. Ruinen imposanter Verteidigungsanlagen, wie etwa die 1607 errichtete Benteng Oranye in Ternate City, geben heute noch Zeugnis dieser für die Kolonialisierung unrühmlichen Epoche.

Der Islamische Glaube konnte jedoch vor allem auf den Nord-Molukken die Jahrhunderte überdauern und prägt heute das kulturelle und religiöse Leben und auch das Erscheinungsbild der Stadt Ternate. Wer zum Essen gerne ein Bier trinkt, ist hier falsch am Platz. Diese gibt es, wenn überhaupt, nur in einem guten Hotel. Und davon gibt es nicht viele auf der Insel.

Unzählige Moscheen in allen Größen, Farben und Baustielen dominieren das Bild der Stadt. Bis hoch hinauf auf die Hänge des 1721 Meter hohen Gamalama reichen die Siedlungen und jedes Dorf hat seine eigene Moschee, oft mit angeschlossener Schule.

Ein Großteil der beinahe 200.000 Einwohner von Ternate lebt im Südosten der Insel in der Kota. Der im 19. Jahrhundert erbaute Sultanspalast Keraton Sultan Ternate wird seit Jahren restauriert, ein Teil ist zu einem Museum umfunktioniert worden. Große Sehenswürdigkeit ist neben dem Mobiliar die Sultanskrone. Sie wurde dem ersten Ternate-Herrscher der Legende nach persönlich von den Göttern übergeben und wird immer noch verehrt, da die an den Kronjuwelen befestigten Haare angeblich immer wieder nachgewachsen.  Einmal pro Jahr werden diese bei einer feierlichen Zeremonie geschnitten.

Landschaftlich reizvoll ist auch die Inselumrundung. Gute 45 Kilometer schlängelt sich eine für Inselverhältnisse in dieser Region gut ausgebaute Straße zwischen dem Meer und den Hängen des Vulkans entlang. Gleich nach Ternate, wenn man Richtung Nordosten fährt, trifft man auf einen erstarrten Lavastrom, der sich beim großen Ausbruch 1773 ins Meer ergossen hatte und heute noch sichtbar ist.

An der Nordspitze kann man im Fischerdorf Sulamandaha ein Fischerboot mieten, das einen zu der nahegelegenen Insel Pulau Hiri bringt. Weiter an der Westküste liegen kleine Kraterseen, die zum Verweilen einladen. Immer wieder eröffnen sich schöne Ausblicke auf die Nachbarinsel Tidore, die etwas größer ist als Ternate ist und in einem Tagesausflug leicht erforscht werden kann. Gute 20 Minuten braucht die Fähre zwischen den beiden Inseln.

Ein Gefühl vom Alltag auf dieser Vulkaninsel bekommt man, wenn man in die kleinen Orte und Dörfer an den Hängen den insgesamt mehr als 3000 Meter hohen Gamalama, etwas weniger als die Hälfte davon liegt unter Wasser, hochfährt. Üppig grün zeigt sich die Landschaft, uralte Nelken- und Muskatnussbäume säumen die kleinen Wege durch die Tropenlandschaft.

Immer wieder fährt oder wandert man durch kleine Orte mit bunten Häusern und kleinen Gärten. Manchmal erblickt man dabei ein Stück Grün, das an die Rasen in in europäischen Gärten erinnert.

Je weiter man von der City wegkommt, umso sauberer wirkt die Umgebung und umso weniger Plastikmüll liegt herum. Denn der hat auch vor West-Papua und den Molukken nicht halt gemacht. Ein Problem in Indonesien, das an verschiedenen Stellen in den Reiseberichten bereits angesprochen wurde (siehe zum Beispiel Lombok und die Gilis).

Dass für Menschen, die an Vulkanhängen wohnen, nicht nur vom Meer sondern auch vom Berg Gefahren drohen, lassen die vielen Evakuierungsschilder an den Straßengabelungen erahnen. Die sind hier nämlich genau andersrum als auf anderen Islands, die von Tsunamis bedroht werden können und immer Richtung Berg und weg vom Meer gehen. Hier weisen die Schilder die Fluchtwege in Richtung Meer. Nicht auszudenken, wenn in dieser Region die Erde bebte und ein Tsunami zeitgleich mit einem Vulkanausbruch an Land trifft.

Nutzbringend ist die schwarze Vulkanerde für die Landwirtschaft – hier gedeiht neben Gewürzen so ziemlich alles, was man sich nur denken kann. Und das ohne Dünge- und Spritzmittel. Und auch die Menschen scheinen von der Energie, die im inneren dieses Berges prodelt, ihre Kraft zu schöpfen.

Und vielleicht auch die Lebenslust und Freundlichkeit. Die kann man auf Ternate rund um die Uhr und gratis tanken und mit in den hektischen und stressigen Lebensalltag in Europa nehmen. Müsste für eine Weile reichen, und wer eine neue Lektion dazu braucht, muss sich in den Flieger Richtung Molukken setzen. „Sampai Jumbo lagi“ sind die letzten Wort der Verkäuferinnen, die sich am Flughafen Babullah zum Crash-Sprachkurs verführen liesen. Ja, bis bald.

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